Schlagwort-Archive: Thriller

|DVD_JUNK| – Open House

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Release: 26.07.2012
Label: dtp entertainment

Es ist Hausbesichtigung in Hollywood. Alicia möchte nach der Trennung mit ihrem Mann das erinnerungsschwere Haus loswerden und veranstaltet dafür öffentliche Besichtigungstouren. Bis einmal ein Besucher länger als erwünscht bleibt und zusammen mit seiner Komplizin das Haus für sich beansprucht. Eine fragile Dreiecksbeziehung entsteht.

In diesem kammerspielartig inszeniertem Thriller geht es vor allem um Beziehungen, Abhängigkeiten und Manipulation. Jeder der Charaktere weist mehr oder weniger kaputte Beziehungen auf und das Zusammenspiel aller drei Personen, die zum Risikofaktor des jeweils anderen werden, vermischt sich zu einem hochexplosiven und überaus spannenden Film, der von Anfang an zu fesseln weiß. Ob es die Beziehung der unfreiwilligen Hausbesetzer untereinander ist, die Beziehung des männlichen Entführers David zu Alicia, welche einem umgekehrten Stockholm-Syndrom gleicht, oder der unsichtbaren Verbindung zwischen der weiblichen Komplizin Lila und den Opfern. In jedem Fall handelt es sich um die tragischen Auswüchse fehlgeleiteter Abhängigkeit. So ist die Beziehung zwischen den eigentlichen Tätern kälter und um einiges instabiler, als die zwischen David und Alicia. Tatsächlich knüpfen sich sogar zarte Bande zwischen ihnen, als klar wird, dass beide in gewisser Hinsicht Opfer sind. Auch David befindet sich in einer Abhängigkeit, die ihn vergiftet, von der er sich am liebsten befreien möchte. Die Tragik des Filmes jedoch besteht in der Gewalt, die einen Zugang untereinander unmöglich macht.

„Open House“ ist ein faszinierendes Psycho-Drama, das von Leidenschaften und Abhängigkeiten handelt, Zwängen und Obsessionen, die ihre Akteure innerlich zerreißen und einen Strudel aus Gewalt erzeugen, in den jeder hineingezogen wird. In seiner Erzählung ist „Open House“ erfrischend unaufgeregt und stringent, in seiner Inszenierung nüchtern, aber subtil, mit vielen Totalen und klaren Kameraeinstellungen, die die innere Leere bei makelloser Fassade ideal versinnbildlichen. Trotz des hohen Dramaturgie-Potentials und der hervorragenden Inszenierung, mangelt es dem Film jedoch an Zugangsmöglichkeiten. Er bleibt im Gesamten sperrig und abstrakt, die Charakterentwicklung ist nicht immer plausibel und es will keine rechte Empathie aufkommen. Alles in allem, ist „Open House“ aber ein lohnenswertes Drama, das vor allem von seinen Kammerspiel-Eigenarten lebt.

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|DVD_JUNK| – Meeting Evil

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Release: 26.07.2012
Label: Sony Pictures Home Entertainment

John ist ein Makler ohne Job mit einer entfremdeten Familie in einer Zeit, in der alles den Bach runterzugehen scheint. Kein Geld, keine Arbeit, keine Hoffnung. Er ist mehr dem Alkohol als seiner Frau zugetan, als eines Tages ein fremder Mann an seiner Tür klopft. Sein Name sei Richie und er benötige seine Hilfe, da sein Wagen stehen geblieben ist. Das ist der Anfang eines skurillen, grausamen Trips, der John an die Grenzen seiner eigenen Wahrnehmung führt.

Regisseur Chris Fischer spielt mit dem Zuschauer gleich ein dreifaches Spiel. Das macht „Meeting Evil“ zu einem außergewöhnlichen Seherlebnis, ohne dass der Filme groß Genrekonventionen bricht. Als Zuschauer werden wir mit, dem von Luke Wilson großartig portraitierten Versager John identifiziert. Aus seiner Perspektive wird die Geschichte erzählt und sein Seelenleben ist es, das im Vordergrund steht. Diese spezifische Ausrichtung suggeriert gleichzeitig eine höhere Wahrheit, die „außerhalb“ des Kameraspektrums liegt, was den Zuschauer bis zum Schluss auf einen grandiosen Plottwist warten lässt. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dieser Plottwist sei nicht gelungen, aber es gelingt dem Regisseur die Erwartungen für sich zu nutzen um mit der Geschichte nochmal einen anderen Weg zu beschreiten, der gewiss nicht allen schmecken wird. In dem Sinne ist dem Film eine tatsächlich unerwartete Wendung gelungen, die zwar nicht ganz plausibel, aber im Sinne des Konzepts durchaus logisch ist. Wie der Titel sagt, trifft John das Böse, unter anderem in Form von Richie, dem mysteriösen Mann, der John nach seinem Gutdünken manipuliert und bedroht. Die Rolle ist mit Samuel L. Jackson perfekt besetzt, er ist der eigentliche Star des Films. Ihm ist die hohe Intensität vieler Szenen zu verdanken.
Doch der Film begnügt sich nicht damit, einen soliden Mystery-Plot herunterzuleiern. Vielmehr lockt er den Zuschauer auf eine falsche Fährte um Wahnsinn, Schizophrenie und Rachegelüste, um schließlich die heile Familienidylle in Krisenzeiten zu demontieren. Am Ende ist man als Zuschauer ebenso verwirrt wie erstaunt. Was ist nun genau das Böse, das John getroffen hat? Ist es Richie, der eindeutig ein Mörder und Soziopath ist? Oder verbirgt sich das Böse noch ganz woanders? Möglicherweise im eigenen Ehebett?
Was als Drama und Sozialstudie anfängt, wird schnell zum Psychothriller, der den Zuschauer noch über das Ende hinaus im Ungewissen lässt.

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|DVD_JUNK| – Exodus

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Release: 24.07.2012
Label: Ascot Elite

Als die junge, illegal Eingewanderte auf der Flucht vor den Behörden des faschistischen Regimes ist, hat sie gerade noch Zeit, ihr Neugeborenes an den Strand zu legen, unweit unfernt von einer anderen Frau, die das Geschehen mit zwiespältigen Gefühlen betrachtet. Sie ist die Frau von „Pharao“, jenem Politiker, der das Zepter eines gar nicht so weit in der Zukunft liegenden Königreichs in der Hand hält. Seine Forderungen sind eindeutig: Weg mit der Gefahr, die aus allen Himmelsrichtungen das eigene Land überschwemmt. Doch seine Frau nimmt dieses Kind einer fremdländischen Frau an sich und nennt es Moses, weil sie ihn am Wasser gefunden hat. Und er wächst mit ihnen auf, als sei er ihr eigenes.
20 Jahre später, Moses ist ein junger Mann, hat sich die Situation für Ausländer und Menschen anderer Hautfarbe nicht verbessert, im Gegenteil. Sie fristen ein Dasein wie Hunde, eingepfercht hinter großen Mauern, die die rechtschaffenen Bürger von den „Tieren“ trennen. Doch als Moses eines Tages selbst hinter diesen Mauern landet, wird er mit seiner eigenen Herkunft und einem völlig anderen Leben konfrontiert. Fortan versucht er die Zukunft „seines Volkes“ zu ändern.

„Exodus“, so der alttestamentarische Titel dieses britischen Dystopie-Dramas, bezeichnet die biblische Epoche aus dem 2. Buch Mose, in welchem es um das Volk Israel geht, das unter der Führung Moses aus der Gefangenschaft der Ägypter befreit wird und sich auf den Weg ins heilige Land Kanaan macht. Der Film ist keine Nacherzählung, kein Märchen im futuristischen Gewand, sondern setzt sich ganz und gar kritisch mit der biblischen Vorlage und ihren Charakteren auseinander. Dabei entwickelt der Film trotz einer recht einschränkenden Prämisse eine ganz erstaunliche Sogwirkung und bleibt in seiner Inszenierung konsequent eigenständig, fantasievoll und erzeugt eine starke Ambivalenz in seiner moralischen Aussagekraft. Der ganze Film glänzt durch seine biblischen Anspielungen, ob in Bezug auf die Namen, oder die Geschehnisse. Bei diesem Film empfiehlt es sich, zumindest einmal das 2. Buch Mose gelesen haben, denn die Übertragung auf eine moderne Welt ist fantastisch gelungen.

So bleibt es aber stets bei einer bloßen Anlehnung an die Ereignisse der Bibel, während Regisseurin Penny Woolcock (1 Day, u.a.) den Verlauf der Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretiert und in Szene setzt. Insbesondere widmet sie sich der moralischen Tragweite der Entscheidungen von Moses. Jener wird in den Büchern Mose ganz und gar unkritisch als Rächer der Enterbten, als eine Art urtümlicher Robin Hood im Kaftan dargestellt, der, dessen Visionen und Aufträge göttlichen Ursprungs sind, gar nicht infrage gestellt werden kann. Auch in diesem Film wird Moses ab einem bestimmten Zeitpunkt zum Volksheld á la Che Guevara hochstilisiert, nicht ohne die Gefahren solcher Massenverehrung und blinder Folgsamkeit auf dem Fuße eintreten zu lassen. So entsteht eine erstaunliche Parallele zwischen dem Pharao, der die „Juden des 21. Jahrhunderts“ auf diesem KZ-ähnlichen Territorium gefangen hält und Moses, der in seinem unnachgiebigen Wunsch nach Freiheit und Macht keine Menschenopfer zu scheuen scheint. Ungeachtet aller theologischen Minenfelder, die Woolcock gar nicht erst zu umschiffen versucht, stellt sie im Film konsequent und ehrlich die Tragik menschlichen Fehlverhaltens dar. Und ein bitterer Nachgeschmack bahnt sich in Form einer Frage seinen Weg in unsere Köpfe: Wer ist nun der eigentliche Böse?

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