Schlagwort-Archive: Thomas Mann

|DVD_JUNK| – Project X

null

Release: 07.09.2012
Label: Warner Home Video

Drei Halbwüchsige, Costa, J.B. und Thomas, haben ihr Loser-Image und die damit verbundenen Schmähungen endgültig satt. Thomas‘ 17. Geburtstag stellt sich als die ideale Gelegenheit dar, eine Party epischen Ausmaßes zu veranstalten, die alles ändern soll. Und Drax wird engagiert, alles auf Film festzuhalten, um ein Zeugnis dieses Ereignisses zu besitzen. Ein paar Nachrichten mit dem Handy, ein paar Mails, alle mit dem Aufruf es weiter zu verbreiten und schnell scheint sich eine respektable Party-Gesellschaft zusammengefunden zu haben. Doch als immer mehr Gäste auftauchen und Alkohol und Drogen in Unmengen konsumiert werden, müssen sich die drei Jungs der Erkenntnis stellen, dass ihr Vorhaben außer Kontrolle geraten ist. Die Masse ist unbändig und wild, ihr einziges Ziel: Feiern bis zum Super-GAU. Zerstörung und Chaos das einstimmige Mantra des Abends.

Der Party-Film, die Teenager-/Highschool-Komödie, der Buddy-Movie kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, die mitunter groteske Blüten hervorgebracht hat. „Project X“ verkörpert in dieser Historie den Klimax, eine unüberbietbare Schrecklichkeit in seiner Darstellung. Nie wurde eine Party so grausam konsequent inszeniert und in seinen Ereignissen so destruktiv und lebensmüde dargestellt. Kein „Hangover“-Trittbrettfahrer, bei dem einfach der Filmriss den Zuschauer von der Qual befreit, sich die Untaten der Feierwütigen im Voraus ansehen zu müssen, kein charmanter Kumpelfilm wie „Superbad“, der die Freundschaft und das Erwachsenwerden mehr als alles andere äußerst sympathisch thematisiert und auch kein „American Pie“-Ableger, in denen Sex zum Lebensziel schlechthin erklärt wird. „Project X“ ist eine schwarze Komödie, ein im Prinzip überhaupt nicht witziger Film. Und trotzdem kann man nicht wegsehen, man kann nicht umhin, von dem ekstatischen Strudel aus Leidenschaft mitgerissen zu werden. Der Film ist inszenatorisch im Stil einer Mockumentary aufgebaut. Die Kamera ist inmitten des Geschehens und kreiert in seiner groben Unmittelbarkeit eine faszinierende Dynamik. Bild, Ton und die Laiendarsteller bilden eine hervorragende Symbiose, die größtenteils sehr überzeugend darüber hinwegtäuscht, dass es sich um einen inszenierten Vorgang handelt. Was den Film anfangs besonders macht und zum Ende hin etwas abflachen lässt, ist die Tatsache, dass hier einerseits mit dem kritischen Auge des Beobachters Drax das Partyleben an sich, und die Verzweiflung jener, die auf der Suche nach ein wenig Aufmerksamkeit und Akzeptanz sind, eingefangen wird. Andererseits endet der Film wie jeder andere Party-Film mit der (Un-)Einsicht, dass sich aller Ärger letzten Endes doch bezahlt habe. Der Junge kriegt das Mädchen, ist plötzlich cool und beliebt, alle Konsequenzen sind vergessen. Lediglich kleine Textblöcke im Abspann weisen darauf hin, dass die Jungs Konsequenzen ziehen mussten, ein Stilmittel, das maßgeblich zum augenscheinlichen Wahrheitsgehalt der Geschichte beiträgt.

Wie unkritisch der Film letzten Endes doch ist und wie gedankenlos die Konsumierung ihrer Rezipienten ausfiel, erklärt sich anhand vieler Nachrichten aus der ganzen Welt, in denen von Nachahmungstätern die Rede ist, Halbstarken, die ganz wie in Project X mal ordentlich auf die Kacke hauen wollten. Sachschäden im sechsstelligen Bereich und sogar Tote waren die Konsequenzen dieser „epischen“ Partys. Die Realitätsnähe von „Project X“ ist umso fataler, da er sich nicht um die Problematik jugendlichen Fehlverhaltens und vor allem ihrer Ursachen schert, sondern mit der überaus potenten Aussage kokettiert, nur Risikobereitschaft und lebensmüde Zerstörungswut seien ein Indikator für die Beliebtheit einer Person. So besteht die Tragik des Films nicht darin, kritisches Zeitdokument einer verkommenen Gesellschaft zu sein, sondern vor allem Vorbild für desillusionierte Jugendliche, die sich einmal die Aufmerksamkeit wünschen, die Thomas am Ende des Films bekommt.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,