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hundephilosoph schaut Breaking Bad Staffel 5, Episode 1

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Staffel 5, Episode 1
„Live Free Or Die“

Ein Jahr Breaking Bad-Entzug. Was haben wir nicht alles durchgemacht? Wir haben gefleht und gebettelt, geweint und geschimpft, gedurstet und geschwitzt, haben uns verrenkt vor Sehnsucht und Begierde, Angst und Neugier.

Nun ist es endlich soweit. Das Fernsehereignis des Jahres hat seinen Anfang genommen, auf der ganzen Welt werden nun Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, Woche für Woche die neue Folge möglichst schnell zu konsumieren, sich eine Dröhnung BB zu geben und den Rausch möglichst intensiv auszukosten. BB ist eine Droge.
Auf der Jagd nach dem kostbaren Stoff verfolgen mich jedoch viele Ängste. Kann Staffel 5 halten, was sie uns verspricht? Kann ich nach 4 Staffeln superber Unterhaltung noch immer überrascht werden? Kann ich meine Objektivität wahren, oder bin ich schon wie ein gieriger Junkie, der sich alles reinpfeift, um auf Touren zu kommen?
Ja, ich habe Angst. Angst davor, dass mich Breaking Bad enttäuschen könnte, dass ich mich selbst enttäuschen könnte, was den Umgang mit ihr angeht.
Die erste Folge der 5. Staffel gestaltet sich finsterer als je zuvor. Wenn ich an die Premiere von Staffel 4 denke, gab es da trotz Walters zur Schau gestellten Kaltblütigkeit doch noch immer Szenen, in denen seine Menschlichkeit durchbrach, in denen man Mitgefühl für ihn empfand, weil all das nie hätte passieren sollen. Aber schon die erste Folge macht klar, dass es kein Zurück mehr gibt, Breaking Bad ist nun abgrundtief schwarz geworden.

Zwischen Staffel 4 und Staffel 5 ist scheinbar nicht viel passiert und doch ist der Auslöser für alle kommenden Ereignisse der Tod von Gus. Sein Ableben hat Walts Verwandlung abgeschlossen, er ist nun wie ein schwarzes Loch, ein einsames Atom im Universum, ohne jegliche Beziehung. Ob der finstere Tenor des Staffelauftaktes allein auf das Triumphgefühl Walters, seinen Erzrivalen besiegt zu haben, zurückzuführen ist, bleibt fraglich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in dieser Staffel den alten Walter White wiedersehen werde, eine Vermutung, die mir auch ein bisschen Kummer bereitet. Aber darauf haben wir 5 Jahre lang gewartet und die Rechnung muss einfach aufgehen. Traf er seine Entscheidungen bis in Staffel 4 hinein noch aus Verzweiflung, ist nunmehr jegliche Emotion aus ihm gewichen. Kalkül und Berechnung haben ihren Platz eingenommen. Der Score unterstreicht diese Entwicklung und verleiht der Folge mit seinen basslastigen Klängen eine unheimliche und bedeutungsvolle Note. Wie ein Krebsgeschwür durchzieht er die Strukturen der Folge und nagt an den Eingeweiden der Zuschauer.

Ich kann nicht sagen, dass ich das, was ich gesehen habe, erwartet habe. Gleichzeitig hat die Folge aber nicht wirklich die Erwartungen erfüllt, die im Voraus von Schauspielern und Mitarbeitern genährt wurden. Der fast schon ersehnte und auf alle Fälle versprochene KABOOM-Effekt blieb aus, stattdessen widmet man sich in „Live Free Or Die“ ausführlich den neuen Charakterkonstellationen und veränderten Verhältnissen. Sie steht ganz im Namen der Polarität und dem Magnetismus.
Magnetismus, der sich nicht nur auf die Handlung bezieht, sondern vor allem auf die Anziehungskräfte zwischen den Protagonisten. Elemente, die kollidieren, sich trennen, sich gegenseitig zerstören, zueinanderfinden. Eine Folge der Gegensätze, aus Vergangenem und Zukünftigem. Sie beginnt mit einer Prophezeiung, dem Cold Open, der uns einen Sprung in eine gar nicht allzu ferne Zukunft machen lässt, in der Walter ein anderer Mensch zu sein scheint. Hier schließt sich ein Kreis zu Staffel 1, der gewiss werden lässt, dass dies tatsächlich das letzte Kapitel von Walter White sein wird.

Ist Walters Entwicklung bereits im Endstadium begriffen, setzt sich Skyler erst einmal mit ihrer eigenen Schuld auseinander. Auch Saul Goodman dürfte sich mittlerweile fragen, was für ein Monster er da mitgeholfen hat zu erschaffen. Allein Jesse scheint noch nicht zu verstehen, wer Walter White wirklich ist. Mit unerschütterlicher Loyalität steht er an seiner Seite, jeder Gefahr zum Trotze. Hank, werden nach und nach die Dimensionen des Verbrechens bewusst, dass er bekämpft. Doch auch wenn sein Anzug weiß wie Schnee sein mag, zehren diese finsteren Kräfte an ihm. Ob sich hinter Mike’s Motivation, Walter zu helfen mehr als nur Überlebensinstinkt versteckt, wird sich zeigen, bis dato aber scheint er einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein, um ihn und vor allem dessen loyalen Kompanion im Auge zu behalten.

„Live Free Or Die“, so der zynische Titel der Folge, bezieht sich nicht nur auf den Cold Open. Er ist eine Frage, an den Zuschauer gerichtet, der seinerseits urteilen soll, ob es stimmt, oder nicht. Wohin führt Freiheit um jeden Preis den Menschen? Wie sieht ein Leben aus, dass von dem willkürlichen Chaos der Freiheit dominiert wird? „Live Free Or Die“, so lautet die Antithese zu Breaking Bad.

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