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|DVD_JUNK| – Religulous

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Release: 05.08.2009
Label: Universum Film

Bill Maher, seines Zeichens politischer Stand-Up Comedian und „Ungläubiger“ versteht Religionen nicht. Zusammen mit „Borat“-Regisseur Larry Charles reist er um die Welt, um die Widersprüchlichkeiten und Absurditäten verschiedenster Religionen aufzudecken und ihrer eigenen Lächerlichkeit preiszugeben. In Interviews kommen dabei Wissenschaftler, Theologen, Geschäftsleute und normale Gläubige zu Wort, die Maher bisweilen an den Rand ihres Kompetenzgebietes bringt.

Glaube ist das wohl heikelste Thema, dem sich ein Filmemacher annehmen kann. Wenn schon in der Familie dieses leidige Thema nur Streit und Unfrieden hervorrufen kann, wie soll das dann erst im globalen Ausmaß aussehen? Es ist unmöglich, niemanden auf den Schlips zu treten, einfach, weil Glaube die Fragen der eigenen Existenzberechtigung beantwortet. Den Glauben von jemanden infrage zu stellen, bedeutet, den Menschen als solchen infrage zu stellen. Nicht nur, dass Bill Maher den grundlegenden Fehler begeht, Glaube und Religion als ein und diesselbe Begrifflichkeit zu verwenden, er arbeitet mitunter auch mit manipulativen, rhetorischen Tricks, um seine Interviewpartner, seine von ihm als „Gegner“ wahrgenommenen Personen möglichst in die Ecke zu drängen. Wie könnte man es dem bekennenden Atheisten auch übel nehmen, erklärt in dem Film doch seine eigene Mutter, wie aufgewühlt er als Kind war, als er erfuhr, dass der Weihnachtsmann nicht real ist. Welche Konsequenzen dieses unverarbeitete Kindheitstrauma nun nach sich zieht, lässt sich wunderbar beobachten, wenn Maher im Brustton der Überzeugung Erklärungsversuche mit kessen Bemerkungen abschmettert und sich in immer wiederholenden Worten gegen den Glauben als solchen ausspricht. Denn wie Mao Tse-Tung einst sagte: „Religion ist Gift“.

Bill Maher tut dasselbe und verkauft es uns als Humor, wenn er bemüht ist, grundfeste Überzeugungen anderer zu zerstören. Dass sein fehlendes Verständnis nicht eine Frage des Nicht-Könnens, sondern vielmehr eine Frage des Nicht-Wollens ist, kann er natürlich nicht sehen. Zwar spricht er vieles Richtige an, und der Film entwickelt seine höchsten Qualitäten, wenn er die Geldmacherei hinter Religionen und Sekten entlarvt, aber es ist seine tendenziöse Herangehensweise, die den Spaß an der ganzen Sache nimmt. Maher vergisst, dass Glaube eine Herzenssache ist und keine Kopfsache. Wäre Glaube in der Vernunft und Rationalität begründet, wäre es kein Glaube mehr. Gerade deswegen sind die Vorwürfe der Heuchelei und Schönrederei nicht gänzlich verkehrt, sie sind aber auch nicht vollkommen zutreffend. Ob Maher es realisiert oder nicht, auch er ist ein Gläubiger. Wie sein Interviewpartner, der Neurotheologe schön sagt, sind es unsere eigenen Maßstäbe von Vernunft und Wahrheit, die wir anderen anlegen. Wenn Maher also einem ehemals homosexuellen Pastor beizubringen versucht, wie falsch seine Auffassung sei, dann ist das so vermessen wie nervtötend. Egal, wie sehr es einem persönlich auch gegen den Strich gehen mag, es lässt sich nicht leugnen, dass seine Haltung doch seiner inneren Überzeugung entspricht und somit seiner ganz subjektiven Wahrheit. Im Gegensatz zu seinem Slogan „Man wird doch wohl fragen dürfen“, ist es Maher, der hier zum Spielverderber verkommt, weil er niemandem seinen Glauben lassen kann. Und so ist ihm jedes Mittel Recht, um am Ende irgendwie doch Recht zu behalten. So zitiert er im einen Moment wortwörtlich aus Glaubensschriften, um seine eigenen Argumente zu untermauern, nur um im anderen Moment ebenjenen Wortgehalt der Lächerlichkeit preiszugeben, wenn es seinem Zweck dienlich ist.
Religulous ist ein im Endeffekt sehr manipulativer Film, in dem Bill Maher mit teils äußerst schamlosen Bild-Ton-Montagen seine eigene, die „richtige“ Sicht der Dinge erklärt und bei diesem Vorhaben nicht viel ehrenvoller handelt, als die von ihm kritisierten Sektenführer, Bühnenprediger und anderen religiösen Sklaventreiber, wie sie vor ihren Mikrofonen und von ihren Kanzeln herunter auf alles spucken, was nicht in ihr eigenes Weltbild passt.

Bill Maher liegt furchtbar falsch. Nicht die Religion ist die Ursache für das Übel auf der Welt und auch seine drastische Forderung nach „anti-religiösen“ Verhältnissen wird nichts an unserer Situation ändern. Es ist der Mensch, der in seiner beschränkten Sichtweise all das ablehnt, was er nicht begreift. Ganz wie der Volksmund sagt:
„Wat de Buer nich kennt, dat fret he nich.“

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