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|DVD_JUNK| – Wer weiß, wohin?

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Release: 26.07.2012
Label: Universal Pictures

In einem kleinen Dorf, irgendwo im Nahen Osten. Muslime und Christen leben Tür an Tür, doch das harmonische Miteinander wird immer wieder von religiösen Unruhen zwischen den Männern gestört. Viele Menschenleben hat dieser Glaubenskrieg schon gekostet und immer sind die Mütter die Leidtragenden, während die Männer ihre Wut in weiteren Konflikten abreagieren. Doch ein gemeinsamer Fernseher könnte die Lösung sein, das gemeinsame fernsehen eine Tätigkeit, die die Gemeinde stärkt. Doch als auch die Nachrichten von den zivilen Gefechten zwischen Christen und Muslimen berichten, fürchten die Frauen um die Balance ihrer Männer und sabotieren kurzerhand das alte Gerät. Wider Erwarten ist es ebendiese Aktion, die ein Missgeschick in der Dorfkirche verursacht, welches anschließend den Muslimen angerechnet wird. Ausgehend von diesem Zwischenfall schaukeln sich die Männer der beiden Glaubensgemeinschaften in immer dramatischer werdenden Aktionen gegenseitig hoch, bis ein erneutes Blutvergießen unvermeidbar scheint. Doch die Mütter haben genug von der Ignoranz und dem Jähzorn der Männer und versuchen mit ihren eigenen Waffen, den Konflikt zu lösen.

„Wer weiß, wohin?“ ist ein Plädoyer für die Frauen, respektive die Mütter. Mütter, die die wahren Leidtragenden sind, wenn ihre Söhne zu Grabe getragen werden, die aushalten und trauern müssen, die sich sorgen müssen um Mann, Familie und Gemeinschaft. Die mehr Verantwortung tragen, als Bürgermeister, Imam oder Priester. Die Mütter sind das Element, das alles zusammenhält. So die Grundprämisse dieses Filmes. Schon im Vorspann sind sie zu sehen, die eigentlichen Hauptakteure: Mütter, in schwarz gekleidet, die sich im Takt wiegen und ein Trauerlied anstimmen. Viele junge Menschen sind gestorben, weil zwei Glaubensgemeinschaften einander nicht tolerieren können. Regisseurin und Hauptdarstellerin Nadine Labaki überträgt die karge Wüstenlandschaft und das rückschrittliche Dorf auf die Welt, den Zwist zwischen den Dorfbewohnern auf die Glaubenskriege, die noch immer überall auf der Welt toben. Der Film schafft es nicht nur, trotz seiner Schwere und streckenweisen Melancholie ein heiteres, lebendiges Dorfportrait zu zeichnen, er weckt auch diese Sehnsucht, die in uns allen irgendwo schlummert. Nach Harmonie und Frieden, Bescheidenheit und einem familiären, ländlichen Rahmen, in dem wir ganz in Ruhe ’sein‘ können.

Ja, wer weiß, wohin führt uns das Leben noch? Ist es der Schweiß, geschweige denn das Blut wert, welches wir für einen Streit opfern? Sind wir nicht alle Brüder unter derselben Sonne? Die Frauen sind die einzigen, die das zu begreifen scheinen. Doch sämtliche Beschwichtigungsversuche schlagen fehl, ebenso Gewalt und Geheimniskrämerei, erst, als sie selbst den jeweils gegensätzlichen Glauben auf respektable Art und Weise ausleben, kommen die Männer zur Vernunft und vertragen sich. Die schlussendliche Frage, die nicht ohne Augenzwinkern gestellt wird und dem Film seinen Namen gibt, benötigt keine Antwort mehr, sie wäre überflüssig. Labaki hat einen wunderschönen, authentischen und humorvollen Film gedreht, der letzten Endes ein aufrichtiges und wohl auf eigener Erfahrung der Regisseurin basierendes Bild von Land und Leuten zeichnet. Es ist ein Film, nach dem man sich erfrischt und belebt fühlt. Seine Grundaussage ist überaus harmonisch, ein friedliches Miteinander aller Religionen bejahend. Und auch ich glaube, dass das möglich ist, wenn jeder einmal, wie die Frauen in diesem Film, Bibel gegen Koran und Koran gegen Bibel tauschen würde.

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